Archiv für das Jahr: 2013


Mörderinnen. Künstlerische und mediale Inszenierungen weiblicher Verbrechen

Hyunseon Lee, Isabel Maurer Queipo (Hg.)

Weibliche Verbrechen werden nicht nur als Normverletzungen im ethischen, juristischen oder humanitären Sinne wahrgenommen – sondern auch und vor allem als Verstöße gegen Gendernormen. Welche Körperstereotype werden in diversen Medien und Gattungen mobilisiert oder kritisch befragt? Welche Vorstellungen von »richtigen« Geschlechterverhältnissen und Geschlechtsidentitäten kommen dabei ins Spiel?
Diese und andere Fragen werden in »Mörderinnen« von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen an Repräsentationen von Mörderinnen in Film, Bild, Oper, Literatur und Massenmedien diskutiert und durch Beiträge des Autorenduos Peter Hiess/Christian Lunzer und des Kriminalisten & Autors Stephan Harbort bereichert.


Angela Davis: Feminism & Abolition: Theories & Practices for the 21st Century

Am 03.12.13 hielt Prof Angela Davis eine Antrittsvorlesung im Rahmen der neu eingerichteten und nach ihr benannten „Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies“ am Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC).

Die Videoaufzeichnung des Vortrags ist auf der Homepage des CGC zu finden: http://www.cgc.uni-frankfurt.de/feminismabolition.shtml

 

 


Familie und Staat

(PROKLA)

Obwohl in der bundesrepublikanischen Gesellschaft neben der traditionell-heterosexuellen Familienform mannigfaltige Formen des Zusammenlebens entstanden sind, dominiert auch bei vielen jüngeren Menschen weiterhin das traditionelle Bild von Familie. Diese traditionelle Familienform ist nicht zuletzt auch deswegen vorherrschend, weil die staatliche Familienpolitik, aller Gleichstellungsrhetorik zum Trotz, zu ihrer Reproduktion beiträgt. PROKLA 173 zielt auf den Zusammenhang zwischen Familie und Staat – und dessen historische Dynamik. Abseits tagesaktueller Debatten soll nach Widersprüchen und Ungleichzeitigkeiten zwischen kulturellem und sozioökonomischem Wandel einerseits, Familienmodellen und Familienideologien andererseits gefragt werden.


Queer und (Anti-)Kapitalismus

Voß, Heinz-Jürgen / Wolter, Salih Alexander:

Die «Erfolgsgeschichte» der bürgerlichen Homo-Emanzipation in den westlichen Industriestaaten während der letzten Jahrzehnte fällt mit der neoliberalen Transformation der Weltwirtschaft zusammen. Während vor allem weiße schwule Männer Freiheitsgewinne verbuchen, kommt es zu einem entsolidarisierenden Umbau der Gesellschaft, verbunden mit zunehmend rassistischen Politiken im Innern; zugleich dient der «Einsatz für Frauen- und Homorechte» als Begründung für militärische Interventionen im globalen Süden. Dabei waren es schon 1969 in der New Yorker Christopher Street «[S]chwarze und Drag Queens/Transgender of colour aus der Arbeiterklasse», die den Widerstand gegen heteronormative Ausgrenzung und Gewalt trugen und «sich in Abgrenzung zu weißen Mittelklasse-Schwulen und [-]Lesben ‹queer› nannten, lange bevor deren akademische Nachfahren sich diese Identität aneigneten» (Jin Haritaworn). Doch auch hierzulande sind es die queer People of Color, die aktivistisch wie theoretisch gesamtgesellschaftliche Perspektiven jenseits des gängigen Homonationalismus entwickeln.
Im Band betrachten wir die aktuell viel diskutierten Ansätze einer ‹queer-feministischen Ökonomiekritik› vor dem Hintergrund queerer Bewegungsgeschichte. Wir zeigen mögliche Verbindungen zum ‹westlichen Marxismus› Antonio Gramscis, zum postkolonialen Feminismus Gayatri Chakravorty Spivaks, zu den «Eine-Welt›»Konzepten von Immanuel Wallerstein und Samir Amin auf. Wegweisend ist für uns ein intersektionales Verständnis, wie es Schwarze Frauen und queere Migrant_innen in der Bundesrepublik bereits seit den 1980er Jahren erarbeitet haben. Uns interessiert in diesem Band, wie Geschlecht und Sexualität – stets verwoben mit Rassismus – im Kapitalismus bedeutsam sind, sogar dort erst aufkommen oder funktional werden. Theoretisch, historisch und immer mit Blick auf Praxis untersuchen wir die Veränderungen der Geschlechter- und sexuellen Verhältnisse der Menschen unter zeitlich konkreten kapitalistischen Bedingungen. Wem nützen die geschlechtlichen und sexuellen Zurichtungen der Menschen im Kapitalismus, und was lässt sich aus den historischen und aktuellen Kämpfen für queere Kapitalismuskritik lernen?


Sorgeverhältnisse

feministische Studien

Nach 13 Jahren ist wiederum ein Heft der Feministischen Studien schwerpunktmäßig dem Thema Care / fürsorgliche Praxis gewidmet. Blickt man zurück auf die im Extraheft der Feministischen Studien zu Fürsorge – Anerkennung – Arbeit im Jahre 2000 verhandelten Themen, so wird Unabgegoltenes, aber auch Weitergeführtes deutlich: Fürsorge als politisches Korrektiv war eine der Thematiken­, zu denen Christel Eckart, Joan Tronto und Margrit Brückner aus zeit-, demokratie- und sozialpolitischer Perspektive zur Jahrhundertwende Analysen und Vorschläge vorlegten, die Mechthild Veil mit einer Kritik der Arbeitspolitik in Deutschland ergänzte. Erschien das Heft nur wenige Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung, so ist die Pflege und Betreuung alter Menschen inzwischen ein Thema geworden, das fast täglich die Presse füllt und zu immer neuen Gesetzesinitiativen führt. Aber auch die Fragen der Kinderbetreuung und der Erziehung sind auf die politische Agenda gekommen, vom Elterngeld über das Recht auf einen KITA-Platz bis hin zum Betreuungsgeld. Die Tatsache existenzieller Angewiesenheit aller Menschen auf die Fürsorge anderer wird gerade in alternden Gesellschaften, zu denen auch Deutschland zählt, unausweichlich.
Die gesellschaftlichen Debatten und auch sozialpolitische Regelungen im Bereich Care / fürsorgliche Praxis sind voran geschritten, ohne dass sich die Richtung der gesellschaftspolitischen Entwicklung grundsätzlich geändert hätte. …


Dark Continents und das UnBehagen in der weißen Kultur Rassismus, Gender und Psychoanalyse aus einer Critical-Whiteness-Perspektive

Martina Tißberger

Mit Sigmund Freuds Allegorisierung weiblicher Sexualität als dark continent verweist er unbeabsichtigt auf die Konfluenz von ›Rasse‹ / ›Primitivität‹ und Gender / ›Weiblichkeit‹ als konstitutive Ausschlüsse von Subjekt und Kultur der Moderne. Whiteness und Phallus werden zum Fetisch, ›Rasse‹ und ›Weiblichkeit‹ zum Vor-und-Außerhalb dieses Subjekts – zu seinem Unbewussten. Aufgrund von Freuds ambivalenter Position als Jude in einer antisemitischen und als weißer Mann in einer kolonialistischen und sexistischen Gesellschaft hat seine Psychoanalyse das Potenzial, reaktionären als auch revolutionären Zwecken zu dienen.

Martina Tißbergers Studie geht mithilfe von Judith Butlers dekonstruktiver Lesart der Psychoanalyse queer durch ihre Episteme der Frage nach, wie Rassismus und Sexismus ›unter die Haut‹ gehen und wie sie zu ›eingefleischtem Wissen‹ werden, das sich gegen Aufklärung immunisiert. Ihre postkolonial-poststrukturalistische Kritik an der psychoanalytischen Kultur- und Subjekt(ivierungs)theorie legt offen, welche Bemächtigungsgeschichten in ihrem ›topisch‹ Unbewussten gespeichert sind. Mit der Dynamik gegen die Topik liest sie das Unbehagen in der weißen Kultur und argumentiert, dass die Nervosität des Weißseins, wenn der ›der verlorene Referent spricht‹ –  die Bemächtigungsgeschichte das Subjekt von Whiteness heimsucht –, zum Ausgangspunkt für die Destabilisierung von Whiteness als unbewusstem Kern des Rassismus gemacht werden soll.


Text. Nation. Geschlecht. Schriftstellerinnen der polnischen Romantik

Samanta Gorzelniaks Untersuchung ist ein Plädoyer für Dezentrierung,
Vieldeutigkeit und Komplettierung der Forschung und Lehre zur polnischen
Romantik.
Aufgrund ihrer sich mittels Verschriftlichung eröffnenden Tradierbarkeit
wurden die in der polnischen Romantik entstandenen Texte aus weiblicher
Feder zu expliziten Botschaften an Leserinnen und nachfolgende
Schriftstellerinnen-Generationen. Diesen Umstand stellt Samanta Gorzelniak
in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Dabei fokussiert sie auf die
Spannung, die sich aus der Diskrepanz von Liebesideal und Realität ergibt.
Ihr Ansatz komplettiert damit die Forschung zur polnischen Romantik durch
eine bisher verborgene Linie.


GESCHLECHT UND POLITISCHE PARTIZIPATION IN ASIEN

femina politica: 2/2013

ist ein Kontrastprogramm zur aktuellen Neuauflage bekannter geschlechterpolitischer Debatten in der
Bundesrepublik und beschäftigt sich mit einer von der deutschen Politikwissenschaft nur wenig beachteten Region.
Das vielfaetige „Laboratorium“ geschlechterpolitischer Projekte und Kontroversen in Asien lohnt eine verstärkte
Rezeption gerade in vergleichenden politikwissenschaftlichen Studien. Nur kurz herausgegriffen aus dem restlichen
Heft sei der Blick auf das kuenstlerische Projekt Lady Gaga im Forum sowie vier Beitraege, welche die
feministische Wissensproduktion vor dem Hintergrund vielfach diskutierter Oekonomisierungsprozesse in
Forschung und Lehre reflektieren.


 

an.schläge. das feministische Magazin. Diesmal: Horror!

Lange Zeit beherrschte die klassische Konstellation „männlicher Bösewicht bedroht weibliche Unschuld“ den Horrorfilm. Doch während der vergangenen Jahrzehnte haben eine Reihe starker weiblicher Figuren das Horrorgenre mitgeprägt – Carrie aus dem gleichnamigen Horrorklassiker, dessen Neuverfilmung dieser Tage in den Kinos anläuft, ist nur eine von vielen. Im aktuellen an.schläge-Schwerpunkt wollen wir wissen: Wie viel Handlungsmacht besitzen Monsterheldinnen? Wie feministisch ist das Final Girl? Und wie werden Gefahr und queere Erotik miteinander verknüpft?

 

Im Horror-Schwerpunkt geben sich Genre-Liebhaber_innen ein Stelldichein:

Julie Miess erläutert ihre Liebe zu Monstern, die Macher_innen des /slash Filmfestivals analysieren den Status quo des Fantastischen Kinos und vier Horrorfilm-Fans präsentieren ausgewählte Grusel-Motive (männermordende Wespenfrauen! Zombies auf Shopping-Tour!). Besonderes

Highlight: Kimberly Peirce, Regisseurin der neuen „Carrie“-Filmversion, erzählt vom Horror unterdrückten Begehrens und der Ambivalenz von Mutter-Tochter-Beziehungen. Elisabeth Streit wirft einen Blick auf Frauen in Horrorfilmen, die „zu viel“ fühlen, und Michaela Wünsch entlarvt den Serienkiller, dessen „weiße“ Identität durch die (weiße) Maske paradoxerweise betont wird. All die Filmtipps in den einzelnen Beiträgen sollten für einen schaurigen Winter ausreichen. Und vom drögen Klischee, Frauen würden keine Horrorfilme mögen, wollen wir jetzt wirklich nichts mehr hören.